1995
war es das Hormon Leptin. Gerade hatte es mollige Mäuse
mager werden lassen, und schon träumten die Wissenschaftler
von der Pille gegen Pfunde. Nur, was bei Mäusen wirkte
blieb bei Menschen wirkungslos. Jetzt steht ein neuer Kandidat
im Labor: Das Hormon PYY3-36. Welche Chance hat die Pille
gegen Pfunde, und wird sie das, was die Meisten von ihr erwarten:
ein Freibrief zum Futtern?
Hunger ist ein Gefühl und wie alle
Gefühle wird es durch Hormone reguliert. Doch welches
unter den vielen ist das Hungerhormon und wie wirkt es? Das
ist eine Milliarden-Dollar-Frage, denn wer die Antwort weiß,
hat bald fast jeden zweiten erwachsenen Bürger aller
Industrieländer zum Kunden. So viele sind es nämlich,
die zu dick sind. Und die geben alleine in den USA jährlich
mehr als 30 Milliarden Dollar für Schlankheitsprodukte
aus.
Kein Wunder also, dass 1995 eine Biotechfirma
das Patent auf Leptin für 25 Millionen Dollar kaufte.
Dieses Hormon hatte in den Labors seiner Entdecker mollige
Mäuse mager werden lassen. Bei Menschen aber blieb die
erhoffte Wirkung aus. In der Zwischenzeit haben unsere Wissenschaftler
einen ganzen Hormoncocktail ausgemacht, der unseren Hunger
und Appetit regelt. Der neueste Liebling der Labors heißt
PYY3-36. Freiwilligen Versuchspersonen, denen der Wissenschaftler
Stephen Bloom am Imperial College in London in einem Blindversuch
das Hormon verabreichte, aßen rund 30% weniger als ihre
Kollegen, die es sich ohne Hormongabe schmecken ließen.
Damit hat PYY3-36 zwar einen besseren Eindruck hinterlassen
als Leptin, gibt aber auch keinen Anlass zu übertriebenen
Hoffnungen. "Sie essen vielleicht nur zwei Portionen
anstatt der üblichen drei" sagt Bloom. Damit könnte
PYY3-36 wohl zumindest jenen helfen, die Hungerattacken während
und nach Diäten überwinden wollen. Zur "iss-was-du-willst-und-werd-schlank
Pille taugt PYY3-36 aber gewiss nicht. Denn der Lust-gesteuerte
Hunger - der Appetit - kann den hormonal gesteuerten überschreiben.
Und dieser Appetit wird sowohl durch den Geschmack des Essens
als auch durch andere Gefühle und Erwartungen ausgelöst.
Unsere Lust aufs Essen überschreibt auch die besten Bemühungen
unserer Hormone, denn unsere Lust ist stärker als Leptin
und seine Kollegen. Dass wir diese Lust, wie fast alles menschliche
Verhalten, konditionieren können, sind gleich zwei gute
Nachrichten in einer. Denn erstens, haben Sie damit ein Werkzeug
in Ihrer eigenen Hand, mit dem Sie selbst Ihr Essverhalten
konditionieren können. Und zweitens, brauchen Sie nicht
noch jahrelang auf die Entwicklung einer Pille warten. Denn
zwischen erfolgreichem Laborversuch und Abschluss der letzten
klinischen Testphase vor der Markteinführung vergehen
üblicherweise mindestens 10 Jahre. Und weniger als 10%
der Medikamente, die auf diesen Hürdenlauf geschickt
werden, schaffen es auch bis in Ihre Apotheke.
Und selbst wenn in 10 Jahren die Anti-Fett
Pille tatsächlich Wirklichkeit geworden sein sollte ist
sie mit Sicherheit nicht das, was die meisten Menschen sich
von ihr erwarten. Sie ist keine Pille mit der man essen kann,
was und wieviel man will und dann trotzdem nicht zunimmt.
All die oben beschriebenen Versuche in den Labors haben nämlich
eines gemeinsam: die Lust aufs Essen zu ändern, sodass
man weniger isst.
Wie Sie diese Lust und damit Ihr Essverhalten
selbst konditionieren können wissen die Psychologen schon
seit einigen Jahren. Im Buch "Null
Bock auf Diät", erfahren Sie wie das geht. |