Nur
5% aller Diätwilligen schaffen es, ihr Gewicht zu reduzieren
und über einen längeren Zeitraum zu halten. Zu dem
Schluss kommt die US-amerikanische Food & Drug Administration.
Da ist die Frage erlaubt: Sind die übrigen 95% wirklich
so willlensschwach, oder liegt es am Ende gar nicht mal am
Willen?
Die "Guten Vorsätze"
sind Briefe an die falsche Adresse.
Dass unsere Lust auf Süßes oder
Alkohol, auf Fettes oder Salziges immer wieder über unsere
guten Vorsätze triumphiert, hat eine psychologische Ursache:
Nicht unser Bewusstsein (mit dem wir die
guten Vorsätze fassen) ist der Chef unseres Handelns,
sondern unser Unterbewusstsein und genau dort ist die Lust
zu Hause. Das ist eine der verblüffenden Erkenntnisse
der Psychologen und Biologen. Dass Lust aber auch trainierbar
ist wie das Tennisspielen oder Autofahren, ist die andere.
So überraschend wie das klingt ist
es aber nicht. Bewusstsein ist eine relativ neue Errungenschaft
der Evolution, die erst durch die Entwicklung der Hirnrinde
bei den höheren Säugetieren entstand. Aber schon
deren primitivste Vorfahren, die noch kein Bewusstsein hatten,
mussten in der Lage sein, ihr Verhalten durch Lernen an eine
beständig wechselnde Umwelt anpassen zu können.
Ohne diese Fähigkeit überlebt es sich schlecht.
Verhaltenssteuerung war also von Anfang an eine unterbewußte
Sache.
Dass das so sein musste, können Sie
sich selbst ganz schnell klarmachen:
Versetzen Sie sich einmal in unsere ältesten
menschlichen Urahnen. Die hatten weder Ernährungsberater
noch Supermäkte. Aber dafür das dringende Bedürfnis
Essbares zu jagen oder zu sammeln.
Was die wirklich brauchten, waren zwei
Fähigkeiten, nämlich erstens Essbares von Ungenießbarem
zu unterscheiden und zweitens, wenn sie erst mal was Genießbares
gefunden oder erlegt hatten, sich daran zu erinnern, wie Sie
das geschafft hatten, damit Sie es von da an immer wieder
so machen konnten. Dieser Mechanismus musste nicht nur bei
unseren Urahnen funktionieren, sondern schon Millionen Jahre
früher auf den untersten Sprossen der Leiter der Evolution.
Dort nämlich waren Bewusstsein und Verstand noch gar
nicht erfunden und gerade deswegen brauchten diese Organismen
ein Programm, das ohne Bewusstsein funktionierte und das ihr
Verhalten so steuerte, dass sie auch in einer sich oft dramatisch
wandelnden Umwelt überleben und sich fortpflanzen konnten.
Dieses Programm nennen die Psychologen den Lernmechanismus.
Er sitzt heute noch dort, wo ihn Mutter Natur ursprünglich
eingravierte, im ältesten Teil unseres Hirns, weit unterhalb
von Bewusstsein und Verstand der Hirnrinde und außerhalb
ihres Zugriffs.
Die Schwelle zu unserem Appetit sind die
rund 10.000 Geschmacksknospen in Mund und Kehle. Obwohl unterschiedliche
Kulturen völlig unterschiedliche Vorlieben entwickelt
haben, unterscheiden wir doch alle süß von sauer
und bitter von salzig. Hinzu kommt umami, der Geschmack von
Glutamat. Diese fünf Geschmacksempfindungen sind fest
in unserem Nervensystem verdrahtet.
Das dient zwei Zwecken: den Organismus
vor dem Verzehr giftiger Substanzen zu bewahren, und die Aufnahme
von Nährstoffen, wie Zucker und Salz, zu regulieren.
So schmecken giftige Pflanzen oft bitter und Energiespender
meist süß.
Knapp formuliert: Bitter heißt schlecht,
und süß heißt gut.
Über diesen Geschmack erkannten unsere
Urahnen, was gut für sie ist und was ihnen schadet.
Sie konnten blind ihren Geschmackssignalen
folgen, ohne ein Zuviel an Zucker oder Fett fürchten
zu müssen. Zucker fanden sie ja nur in der Form langsam
verdaulicher komplexer Kohlehydrate in Obst und Grünzeug.
Lediglich Honig ist eine natürliche Quelle der schnell
verdaulichen Einfachzucker. Und Fett mussten sie jagen oder
angeln. Für Mutter Natur gab es also keine Notwendigkeit,
die Lust auf süss, fett oder salzig zu zügeln. Ganz
im Gegenteil. Nur ein starker Trieb, diese Lust zu befriedigen
sicherte das Überleben unter den rauhen Bedingungen.
Mit dieser ungezügelten Lust stehen
wir heute vor den nie leer werdenden Regalen der Supermärkte.
Was die Nahrungsmittel-fabrikanten da hinein legen feuert
mit enormen und gut kaschierten Mengen reinen Zuckers unsere
Lust auf Cola, Cracker und Creme an. 34,3 Kilo Zucker essen
wir Deutsche pro Jahr und pro Kopf. "Ich aber nicht" sagen
Sie jetzt. "Doch" sagt die Zuckerindustrie, denn die Firma
Südzucker gibt auf ihrer Webseite offen zu, dass nur
20% dieser Menge als sichtbarer Zucker in Ihrem Kaffee und
Ihrem Kuchen landen. Die übrigen 80% stecken in den Softdrinks
und Schokoriegeln und überall dort, wo Sie gar keinen
Zucker vermuten: in den Tomatenketchups und sauren Gurken
zum Beispiel.
Kein Wunder also, dass 95% all jener, die
mit dem Zeug zu dick geworden sind und wieder abnehmen wollen,
dies nicht schaffen. Zumindest nicht mit den guten Vorsätzen,
mit denen jede Diät begonnen wird. Nur wer es schafft,
seine Lust umzukonditionieren auf Gesundes wird und bleibt
schlank. Dass, und wie das geht erklärt Ihnen das Buch
"Null
Bock auf Diät".
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