Jeder
zweite Deutsche ist zu dick, und auch jeder zweite Deutsche
stirbt an einem kaputten Kreislauf oder einem lädierten
Herzen. Diese Zahlen sind nicht zufällig gleich. Übergewicht
ist Ursache Nummer eins für Herzinfarkt, Bluthochdruck,
Diabetes und Gallensteine. Auf jährlich mindestens 11
Milliarden Euro schätzt das Bundesgesundheitsministerium
die Kosten der Korpulenz. Dieser Wert erscheint untertrieben,
wenn man bedenkt, dass die Amerikaner jährlich 70 Milliarden
Dollar für den Flurschaden des Fetts berappen. Der Trend
ist in allen Industrienationen steigend. Zwischen 2% und 8%
ihrer Gesundheitskosten gehen heute schon zu Lasten krankhaften
Übergewichts. Jede andere Krankheit, der so viele Menschen
und soviel Geld zum Opfer fallen, würde zur Epidemie
erklärt. Warum nicht Übergewicht?
Das liegt wohl am Stigma der Krankheit.
78% aller übergewichtigen Amerikaner
berichten, dass sie von Ärzten manchmal oder häufig
wegen ihres Übergewichts respektlos behandelt würden
(Rand & McGregor, 1990). Kein Wunder, denn umgekehrt
beschreiben Ärzte ihre übergewichtigen Patienten
als willensschwach, ungeschickt und hässlich. 16% aller
amerikanischen Arbeitgeber würden übergewichtige
Frauen "wahrscheinlich nicht" und weitere 44% "unter
keinen Umständen" einstellen (Brownell &
Fairburn, 1995).
Wer glaubt, wir Deutschen seien da toleranter,
irrt sich gewaltig.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
stellte schon 1980 in einer Untersuchung fest, dass nur 3%
unserer Landsleute Übergewichtige in ihren Freundeskreis
aufnehmen wollten. Zehn Jahre zuvor waren es immerhin noch
40%. Schon sechsjährige Kinder assoziieren mit der Silhouette
eines dicken Kindes Eigenschaften wie faul, dreckig, dumm
und unansehnlich (Staffieri, 1967).
Heute wissen wir fast alles über Kalorien,
Kilos und Kohlehydrate. Wir geben jährlich einige Milliarden
Mark für Fettarmes und Modediäten aus.
Warum also helfen uns all die Bücher,
Pillen und Pulver nicht, wenn darin doch das geballte Wissen
unserer Ernährungswissenschaftler steckt? Weil alle nur
vom Dicksein reden, aber keiner von der Lust auf das, was
dick macht.
Vor gedünsteten Karotten läuft
kaum einem das Wasser im Mund zusammen. Bei Schweinshax'n
und Knödel sieht das schon anders aus. Die Diätendrechsler
wissen das natürlich auch, und deshalb machen sie einem
gerne weis, man könne mit ihren Programmen abnehmen,
ohne auf den Genuss zu verzichten.
Was dabei herauskommt, sind Ernährungspläne,
die bestenfalls nichts taugen, meistens aber sogar die Gesundheit
verpfuschen.
"Zum größten Teil
wirkungslos", lautet deshalb auch das Fazit aus der jüngsten
Überprüfung von Schlankheitsmitteln der "Stiftung
Warentest".
Die Barmer Krankenkasse warnt auf ihrer
Webseite (www.barmer.de):
"Kaum eine der gängigen Diäten hält, was
sie verspricht."
Auch die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung zeigt im Internet (www.dge.de),
wie man mit einer Checkliste den Diätpfuschern auf
die Schliche kommt:
"Vertrauen Sie keinem Diätprodukt,
das verspricht, dass Sie damit schnell,
problemlos und ohne eigene Aktivität abnehmen können.
bei dem Sie angeblich nach wie vor alles
essen können, was Sie wollen.
das eine bestimmte Gewichtsabnahme verspricht,
z.B. "3 Pfund weniger in 2 Tagen".
das Erfolgsgarantien gibt oder diesen Eindruck
vermittelt.
das mit Vorher/Nachher-Bildern oder Aussagen
von Einzelpersonen wirbt.
bei dem Wirkmechanismen unzureichend erklärt
sind.
das Zusatzkäufe nötig macht,
z. B. Ohrstecker, Badezusätze, elektrische Geräte.
das nur über eine Briefadresse, vor
allem im Ausland, erhältlich ist.
Diät-Maßnahmen sind
seriös,
wenn sie eine langsame, langfristige Gewichtsabnahme
anstreben.
wenn das Gewicht mindestens ein Jahr lang
gehalten wird.
wenn individuelle Vorlieben beim Essen,
Trinken und Bewegen berücksichtigt werden.
wenn gesundheitsbewusstes Verhalten gefördert
wird (genussvolles, gesundes Essverhalten, angemessene Bewegung,
regelmäßige Kontrolle von Risikofaktoren für
Folgekrankheiten).
wenn sie keine Nebenwirkungen haben"
Nur, diese Weisheiten schaffen halt unsere
Lust auf Schweinshax'n und Knödel nicht aus der Welt.
Was wir brauchen, ist eine Lust auf Gesundes, denn die Natur
hat uns glücklicherweise so eingerichtet, dass wir automatisch
schlank werden, wenn wir uns nur richtig ernähren; und
das geht ganz ohne Diäten oder Kalorientabellen.
Die schlanke Taille ist kein Zeichen
für richtige Ernährung, vielmehr kommt die schlanke
Taille mit der richtigen Ernährung von selbst.
Die Lust auf Gesundes können wir uns
selbst beibringen. Mutter Natur hat uns diese Fähigkeit
in unsere Gene geschrieben. Wie das funktioniert, ist Gegenstand
des Buches "Null Bock auf Diät". |