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Unser angeborenes Verlangen nach Fett läßt Diäten versagen
Feature Artikel von Lutz E. Kraushaar. 11/2002

Der griechische Philosoph Epikur hatte es schon vor mehr als 2.000 Jahren erkannt: Den Mensch treibt die Sehnsucht nach dem Genuß. Daß das auch beim Essen gilt, können die Neurologen jetzt bestätigen: Ist das Lustzentrum des Gehirns nämlich ausgeschaltet, bleibt es auch in der Speisekammer dunkel. Dann treibt uns nicht mehr die Lust auf den Gaumengenuß zum Futter, sondern nur noch der Metabolismus unseres Körpers. Und dass der weniger braucht, als wir ihm mit unserer Lust aufs Essen geben, wissen nicht nur jene 40% unserer Mitbürger, die mehr Pfunde mit sich herumschleppen als gut für sie ist.
Die in unsere Gene gestanzte Lust auf süß, salzig und fett trieb schon unsere unwissenden Urahnen zu jenem Futter, das sie zum Überleben brauchten. Was süß schmeckt, liefert Vitamine, Flavonoide und Kohlehydrate. Salzig signalisiert Mineralien und Spurenelementen und fett steht für lebenswichtige Fettsäuren und Energie. Der Appetit auf diese drei Geschmacksrichtungen ist Mutter Naturs cleveres Überlebensprogramm. Von diesem Appetit getrieben, findet auch ein primitiver Organismus zu jenem Futter, das gut für ihn ist. Er muß nicht wissen, er muß nur schmecken. Und so kann er in jedem Klima überleben, egal ob's dort Pinguine oder Papayas zum Futtern gibt.
Der Trieb zur Lustbefriedigung wird im Stammhirn geregelt, in einer Region, die die Wissenschaftler Amygdala nennen. Forscher der Medical School an der Universität von Wisconsin-Madison haben die Amygdala in Mäusehirnen mit Opiaten stimuliert. Die so angeregte Lust trieb die Mäuse zur Versechsfachung ihres normalen Fettverzehrs. Sobald die Forscher die Amygdala aber durch eine weitere Injektion lahmgelegt hatten, ließen die Mäuse alles Fett links liegen.
Das bestätigt, was die meisten Dicken ohnehin längst wissen: die Lust aufs Essen überschreibt die Bedarfsmeldungen des Körpers.
Diese Lust war zu jener Zeit, als Mutter Natur den Appetitmechanismus erfand, auch kein Problem. Denn Adam, Eva und Ötzi konnten sich weder mit Cola, Creme oder Crackern vollstopfen. Heute müssen wir nur in den Kühlschrank greifen oder bei Pizzahut anrufen. Und so fällt es uns wesentlich leichter, den fein eingestellten Balanceakt unseres Metabolismus aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wie leicht, das können Sie sich an folgendem Beispiel klar machen: Ein durchschnittlich gewachsener Europäer, der innerhalb eines Jahres nur ein Pfund zunimmt, muß lediglich rund 4000 Kalorien zuviel essen. Das ist nicht einmal ein halbes Prozent der rund 900.000 Kalorien, die er im gleichen Zeitraum ohnehin ißt.
Solange wir also unsere Lust aufs Essen nicht in den Griff kriegen, wird's nichts mit dem Abnehmen. Denn nur wer eine Lust auf das hat, was gesund ist, ernährt sich dauerhaft gesund, bleibt damit ganz automatisch schlank und schafft, was Epikur schon vor 2.000 Jahren postulierte: sein Verhalten am Genuß zu orientieren. Dass man seine Lust aufs Essen konditionieren kann, wie übrigens fast alles menschliche Verhalten, wissen die Psychologen und Neurologen heute. Wie das geht erfahren Sie im Buch "Null Bock auf Diät".

 
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