| Herzkrankheiten
und Krebs töten 2/3 aller Europäer und Amerikaner.
Seit rund 40 Jahren erklären uns die Mediziner, dass
die Herzinfarktepidemie des 20. Jahrhunderts auf unsere verengten
Adern zurückzuführen sei. Die würden wir uns
mit zuviel Fett und Cholesterin zustopfen. Dass wir uns zuviel
Fett auf den Teller legen, mag ja stimmen, doch in der Hetzjagd
gegen das Cholesterin haben uns die Ärzte mehr als die
Hälfte der Wahrheit verschwiegen. Jetzt müssen sie
Farbe bekennen, und diese Farbe heißt rot, denn ausgerechnet
im Rotwein haben die Wissenschaftler einen der potentesten
Wirkstoffe gegen Herzkrankheiten, Arthritis und Alzheimer
entdeckt, den die Natur zu bieten hat. Und um dessen Wirkungsweise
zu erklären, müssen ausgerechnet die Ärzte
zugeben, dass sie mit ihrer Litanei gegen das Cholesterin
uns wohl die Lust am Essen, aber nicht die Herzkrankheiten
genommen haben.
Richtig ist, dass Fett- und Cholesterinablagerungen unsere
Arterien verengen. Diese Verengungen heißen im Doktorendeutsch
Atheromatose. Kommt es zu einer vollständigen Blockade
vor Ihrem Herzen, spricht Ihr Doktor vom Herzinfarkt und impft
Sie mit einem schlechten Gewissen wegen Ihrer Essgewohnheiten
(sofern Sie lange genug überleben, um des Doktors Diagnose
zu lauschen). Was er Ihnen nicht erzählt ist, dass bereits
vor 40 Jahren Zweifel an der Theorie der Atheromatose als
Hauptursache der Infarkte laut wurden. Schon 1957 wiesen die
Wissenschaftler Keely und Higginson darauf hin, dass die Atheromatose
bei den afrikanischen Bantus zwar verbreitet sei, Herzinfarkte
aber nicht.
Der Wissenschaftler Gore veröffentlichte 1968 das Ergebnis
seiner weltumfassenden Studie: Nicht nur ist die Atheromatose
bei Frauen und Männern gleichermaßen verbreitet
sondern auch bei allen Volksgruppen der Welt. Dennoch sterben
deutlich mehr Amerikaner und Europäer an Herzinfarkten
als Asiaten. Bis dahin konnten sich die Mediziner noch mit
genetischen Besonderheiten herausreden, die einige Volksgruppen
angeblich weniger infarktanfällig machte. Seit 1992 ging
das aber auch nicht mehr, denn da veröffentlichten S.
Renaud und M. de Lorgeril ("Wine, alcohol, platelets,
and the French paradox for coronary heart disease" Lancet
339), dass die Atheromatose in Frankreich wesentlich weniger
Herzinfarkte verursachte als in den USA, in Irland oder England.
Während in Toulouse und Lille nur 78 bzw 105 von jeweils
100.000 Menschen an Herzinfarkten starben, waren es in den
USA 182, in Irland 348 und in England 380. Alle 4 Bevölkerungsgruppen
hatten den gleichen Anteil Fett in ihrer Nahrung: rund 15%
der gesamten aufgenommenen Kalorien. Dabei waren aber die
Cholesterinkonzentrationen im Blut der Amerikaner am niedrigsten
bei den Franzosen am höchsten (geringfügig höher
als bei den Briten und Iren). Anstatt mit diesen Erkenntnissen
die koronare Achse des Bösen - Fett und Cholesterin -
zu entmythifizieren, gab man dem Phänomen den Namen "französisches
Paradox" und dreschte munter weiter ein auf Cholesterin
und Fett. Warum waren die Mediziner so verliebt in ihre Theorie
und verschwiegen uns alles, was ihr widersprach? Weil zwei
ihrer Kollegen für die Theorie 1985 den Nobelpreis für
Physiologie erhalten hatten und damit zu Päpsten der
Cholesteringläubigen nominiert worden waren. Dr M. S.
Brown und Dr. J. L. Goldstein hatten bei ihrer Erforschung
der Hypercholesterolämie, einem recht seltenen genetischen
Defekt, eine hohe Konzentration des LDL Cholesterin (Sie wissen
schon, das "schlechte" Cholesterin) als Ursache
der Herzkrankheiten bei Hypercholesterolämiepatienten
ausgemacht. Daraus schlossen sie dann auf die generelle Gefährlichkeit
des Cholesterins. Und schon hatte die Koronargemeinde ihren
offiziellen Buhmann.
Zurück zu den beiden findigen Franzosen. Die beließen
es nicht beim Staunen und dem schönen Namen, sondern
setzten das Stethoskop statistischer Analyse an. Was sie nach
einigen Iterationen herausfanden, war wirklich verblüffend.
Lediglich zwei Faktoren hatten einen Einfluß auf die
durch Herzinfarkte verursachte Sterberate: Fett- und Weinkonsum.
Wesentlich weniger Vierteleschlotzer erlagen einem Infarkt
als Abstinenzler und Trinker anderer Alkoholika.
Mit dem französischen Paradox wurde plötzlich auch
jene Vermutung wieder gesellschaftsfähig, die die stumm
geschalteten Gegner des Cholesterinmythos bereits vor 40 Jahren
geäußert hatten: nicht die Atheromatose ist schuld
am Herzinfarkt sondern abnormale Blutgerinnsel. Die lassen
sich nämlich in 90% aller tödlich verlaufenden Infarkte
nachweisen. Wohl bleiben diese Blutgerinnsel bevorzugt in
den Verengungen einer Arterie stecken und blockieren sie (Thrombose
heißt das in der Intensivstation). Doch wo sich keine
Gerinnsel bilden, bleiben auch keine stecken.
Es muß also etwas im Wein sein, das die Bildung solcher
Gerinnsel verhindert. Weiterführende Untersuchungen zeigten,
dass Rotwein nicht nur eine wesentlich wirkungsvollere Waffen
gegen Blutgerinnsel ist, als Weißwein sondern auch die
Cholesterinbalance im Blut zu Gunsten des (guten) HDL-Cholesterins
verschiebt.
So stellte sich David Goldberg 1995 die Frage: Was in Gottes
Namen hat die Farbe des Weins mit all dem zu tun? Da sind
zum Beispiel die Phenole, und ganz besonders die Flavonoide
Guercetin, Rutin, Catechin und Epicatechin. Die sind 10 -
20 mal wirkungsvollere Geschütze gegen Blutgerinnsel
und die Bildung von Krebszellen als das anerkannt effektive
Vitamin E.
Doch Menschen, die ausreichend Obst und Gemüse essen,
kriegen auch ohne den Rotwein genug dieser Flavonoide.
Gibt es also noch eine andere Substanz, die ausschließlich
im Rotwein schwimmt aber nicht in anderen Bestandteilen unserer
Nahrung? Jawohl, die gibt's. Sie heißt Resveratrol und
steckt in der Tat nur in roten Trauben (nur in der Haut, nicht
im Fruchtfleisch) und allenfalls noch in Erdnüssen. Kein
anderes Nahrungsmittel enthält die Substanz.
Gehen wir schnurstracks zum gegenwärtigen Stand der Forschung.
Offensichtlich hat die Kombination von Resveratrol, Quercetin,
Vitamin E, Vitamin C und dem Spurenelement Selen einen besonders
stark schützenden Effekt. Schützend wogegen? Blutgerinnsel,
und damit dem Herzinfarkt, aber auch Alzheimer, Arthritis
und Krebs. Und wie kriegen wir genug davon auf unseren Teller?
Mit Fisch (einmal wöchentlich genügt, mehr ist natürlich
besser), viel Gemüse und Obst und vor Allem einem guten
Glas Rotwein dazu. Schließlich gibt es, nach einer inoffiziellen
Schätzung, wesentlich mehr alte Rotweintrinker als alte
Ärzte.
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