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Die Heilung aus dem Honigglas
Feature Artikel von Lutz E. Kraushaar. 11/2002
Die heilende Kraft des Honigs ist mehr als nur ein Ammenmärchen.

An die heilende Wirkung des Honig glaubten schon die alten Ägypter. Dass der goldene Sirup aus den Bienenwaben tatsächlich mehr ist als nur ein Brotaufstrich, meinen nun auch die Ärzte. Zwar zweifelten die wenigsten an der nachweislichen Nützlichkeit des Honigs bei der Wundheilung. Doch neuste Labortests zeigen, dass Honig sogar Bakterien tötet, die gegen Antibiotika immun sind.
Auf Wunden aufgestrichen versiegelt der zähflüssige Honig das offene Gewebe und verhindert so die Infektion von außen. Gleichzeitig hält es die Wunde feucht und erlaubt so das Wachstum neuer Hautzellen ohne häßliche Narbenbildung. Denn neue Hautzellen brauchen Feuchtigkeit, um zu wachsen. Unter dem trockenen Schorf, der sich über unbehandelten Wunden bildet, finden die Zellen die Feuchtigkeit nur in den darunter liegenden Gewebezellen und wachsen deshalb dort hinein.
So erklärten die Mediziner bislang die Nützlichkeit des Honigs in der Wundheilung. Doch Honig kann noch mehr. Die Mikrobiologin Rose Cooper hat mit ihrem Team an der Universität von Wales gezeigt, dass natürlicher Honig im Labor sogar solche Bakterien tötet, die gegen die Antibiotika Methizillin und Vancomyzin resistent sind. Beide Antibiotika sind gegenwärtig die letzte Verteidigungslinie gegen Bakterien.
Zunächst glaubten die Forscher, dass nur jene Honigsorten diese antibakterielle Wirkung zeigten, die Hydrogenperoxid bilden. Doch auch der Neuseeländische Manukahonig, der diese Eigenschaft nicht hat, zeigte die gleichen antibakteriellen Eigenschaften. Die Forscher vermuten nun,, dass des Rätsels Lösung in der natürlichen Säure des Honigs liegt oder in antibakteriellen Eigenschaften der Blütenpollen, aus denen die Bienen den Honig produzieren.
Die Suche nach einem Wundheilungsmittel aus den Bienenwaben ist keine exotische Spinnerei. Wundinfektionen sind schmerzhaft, verlängern Krankenhausaufenthalte und können gar zum Tod des Patienten führen. Die Behandlung infizierter Wunden wird ein immer ernster zu nehmendes Problem in den Krankenhäusern. Denn erstens, züchtet die unvermeidliche Antibiotikakur immer schneller und immer mehr resistente Bakterienstämme. Und zweitens, sind es gerade diese resistenten Bakterien, die operationsgeschwächten Patienten einen vermeidbaren Tod bringen können.
Wer aber nun meint, seine Schürfwunde mit einem Glas Honig aus dem Supermarkt behandeln zu müssen, macht es sich vielleicht etwas zu einfach. Die Hitzebahndlung des sterilisierten Honigs hat möglicherweise seine antibakterielle Wirkung zerstört. Und deshalb sollte jeder, der eine nichtheilende Wunde hat, besser zum Arzt als zum Imker gehen.

 
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