| An
die heilende Wirkung des Honig glaubten schon die alten Ägypter.
Dass der goldene Sirup aus den Bienenwaben tatsächlich
mehr ist als nur ein Brotaufstrich, meinen nun auch die Ärzte.
Zwar zweifelten die wenigsten an der nachweislichen Nützlichkeit
des Honigs bei der Wundheilung. Doch neuste Labortests zeigen,
dass Honig sogar Bakterien tötet, die gegen Antibiotika
immun sind.
Auf Wunden aufgestrichen versiegelt der zähflüssige
Honig das offene Gewebe und verhindert so die Infektion von
außen. Gleichzeitig hält es die Wunde feucht und
erlaubt so das Wachstum neuer Hautzellen ohne häßliche
Narbenbildung. Denn neue Hautzellen brauchen Feuchtigkeit,
um zu wachsen. Unter dem trockenen Schorf, der sich über
unbehandelten Wunden bildet, finden die Zellen die Feuchtigkeit
nur in den darunter liegenden Gewebezellen und wachsen deshalb
dort hinein.
So erklärten die Mediziner bislang die Nützlichkeit
des Honigs in der Wundheilung. Doch Honig kann noch mehr.
Die Mikrobiologin Rose Cooper hat mit ihrem Team an der Universität
von Wales gezeigt, dass natürlicher Honig im Labor sogar
solche Bakterien tötet, die gegen die Antibiotika Methizillin
und Vancomyzin resistent sind. Beide Antibiotika sind gegenwärtig
die letzte Verteidigungslinie gegen Bakterien.
Zunächst glaubten die Forscher, dass nur jene Honigsorten
diese antibakterielle Wirkung zeigten, die Hydrogenperoxid
bilden. Doch auch der Neuseeländische Manukahonig, der
diese Eigenschaft nicht hat, zeigte die gleichen antibakteriellen
Eigenschaften. Die Forscher vermuten nun,, dass des Rätsels
Lösung in der natürlichen Säure des Honigs
liegt oder in antibakteriellen Eigenschaften der Blütenpollen,
aus denen die Bienen den Honig produzieren.
Die Suche nach einem Wundheilungsmittel aus den Bienenwaben
ist keine exotische Spinnerei. Wundinfektionen sind schmerzhaft,
verlängern Krankenhausaufenthalte und können gar
zum Tod des Patienten führen. Die Behandlung infizierter
Wunden wird ein immer ernster zu nehmendes Problem in den
Krankenhäusern. Denn erstens, züchtet die unvermeidliche
Antibiotikakur immer schneller und immer mehr resistente Bakterienstämme.
Und zweitens, sind es gerade diese resistenten Bakterien,
die operationsgeschwächten Patienten einen vermeidbaren
Tod bringen können.
Wer aber nun meint, seine Schürfwunde mit einem Glas
Honig aus dem Supermarkt behandeln zu müssen, macht es
sich vielleicht etwas zu einfach. Die Hitzebahndlung des sterilisierten
Honigs hat möglicherweise seine antibakterielle Wirkung
zerstört. Und deshalb sollte jeder, der eine nichtheilende
Wunde hat, besser zum Arzt als zum Imker gehen.
|