| Gestern
noch gehörte die Atkins Diät zu den bad boys und
heute soll sie plötzlich heilig gesprochen werden. Zu
oft haben die Journalisten die Verbraucher mit derartigen
180 Grad Wendungen aus voller Fahrt verschaukelt. Journalisten
und ihre Arbeitgeber sind mehr an Ihrem Geld interessiert
als an Ihrer Gesundheit. Deshalb lohnt es sich, hinter die
Kulisse journalistischer Sensationsveranstaltungen zu schauen,
bevor Sie für bare Münze nehmen, was Ihnen da vorgespielt
wird. Der angebliche Ritterschlag der Wissenschaft für
die Atkins Diät macht da keine Ausnahme.
Worum geht es überhaupt?
Um die Modediät des Dr. Robert C. Atkins, Gründer
und medizinischem Direktor des nach ihm benannten Zentrums
für ergänzende Medizin in New York.
Wer seinen Diätvorstellungen folgt, ißt viel Protein
und keine Kohlehydrate, zumindest keine einfachen Kohlehydrate,
also Nudeln aus weißem Mehl, Zucker etc.
Was hatte man bislang auszusetzen an dieser Diät?
Stein des Anstoßes war der hohe Proteingehalt dieser
Diät. Protein an sich ist nichts schlechtes, ganz im
Gegenteil, aber Protein schleppt zwei unerwünschte Kumpane
mit: Fett und Cholesterin. Und die beiden sind seit rund 40
Jahren der Gottseibeiuns für die (zu Unrecht) cholesterinfürchtige
Gemeinde.
Warum haben die Mediziner jetzt ihre Meinung geändert?
Haben sie gar nicht. Sie haben lediglich festgestellt, dass
die Gefolgsleute der Atkins Diät die gleiche Menge Cholesterin
im Blut haben wie jene, die auf die fett- und proteinarmen
Diäten der Herzgemeinde schwören. Oder genauer gesagt,
Dr. Westman vom Duke's Diät und Fitnesszentrum hat das
an 120 freiwilligen Übergewichtigen festgestellt, die
für 6 Monate einer der beiden Diäten folgten. Die
Atkins Gruppe hatte in dieser Zeit im Schnitt 31 Pfund verloren,
während es bei der anderen Gruppe nur 20 Pfund waren.
Das Gesamtcholesterin fiel in beiden Gruppen nur leicht, aber
die Atkins-Diäter hatten einen um11% erhöhten Spiegel
des HDL (des sogenannten guten Cholesterins) im Blut, die
andern nicht.
Was soll den nun falsch sein an diesen Ergebnissen?
Der gesamte Ansatz. Auf das Cholesterin hauen die Mediziner
nun schon seit 40 Jahren ein. Dabei haben sie Ihnen in diesem
Schaukampf die Hälfte der Wahrheit vorenthalten. Richtig
ist, dass Fett- und Cholesterinablagerungen unsere Arterien
verengen. Doch diese Verengungen sind nicht die Ursache von
Herzinfarkten und Schlaganfällen (lesen Sie dazu auch
unseren Artikel über das Resveratrol und Kapitel 6 des
Buches "Null Bock auf Diät"). Bereits 1968
hatte der Wissenschaftler Gore in einer weltweiten Studie
belegt, dass die Atherosklerose nicht nur bei Frauen und Männern,
sondern auch bei allen Völkern der Welt gleich verbreitet
ist. Dennoch sterben deutlich mehr Amerikaner und Europäer
an Herzinfarkten als Asiaten, und wesentlich mehr Männer
als Frauen. Der Grund sind Blutgerinnsel, die in 90% aller
Herztode nachweisbar sind. Die bleiben in den arteriellen
Engpässen stecken und würgen so die Blut- und Sauerstoffversorgung
des Herzens ab. Wo sich aber keine Blutgerinnsel bilden, können
auch keine stecken bleiben.
Über deren Erscheinen auf der Bühne des Stoffwechsels
entscheidet aber nicht die Zahl der Schnitzel und Eier, die
wir uns auf den Teller legen, sondern die Menge der komplexen
Kohlehydrate, die wir links liegen lassen.
Denn in denen (den Früchten, Gemüsen und Vollkornprodukten)
stecken die sekundären Pflanzenstoffe, und die sind alles
andere als zweite Wahl. Diese auch als Flavonoide bekannten
Stoffe machen die Paprika gelb, den Spinat grün und die
Tomate rot. Rund 10.000 Flavonoide kennen die Wissenschaftler
mittlerweile. Und obwohl deren Erforschung erst in den Neunzigern
begann, wissen wir heute bereits, dass diese vormals vernachlässigten
Bestandteile der Pflanzen (daher auch die Bezeichnung "sekundär",
denn denen hatte man außer der Färbung nichts zugetraut)
massive Geschütze gegen Krankheiten sind. Allen voran
den Krebs und die Herz-Kreislauferkrankungen, die heute ja
an jedem zweiten Todesfall schuld sind.
Jede Diät, die Ihnen Angst vor (komplexen) Kohlehydraten
macht, oder Sie dazu ermuntert, sich mehr Protein und Fett
auf den Teller zu legen als komplexe Kohlehydrate, ist unverantwortlicher
Unsinn.
Um auf den verbalen Slalomläufen auflagengeiler Journalisten
und Verleger nicht schwindelig zu werden, lassen Sie am besten
Ihren gesunden Menschenverstand eingeschaltet. Der sollte
Sie dann immer daran erinnern, dass der Mensch sich dann richtig
ernährt, wenn er isst, wofür Mutter Natur ihn genetisch
programmiert hat. Auch wenn Ihnen Wissenschaftler wie Herr
Dr. Westman vom Duke's Zentrum was ganz anderes zu erzählen
scheinen. Denn dieser gesunde Menschenverstand lässt
Sie dann auch über den Finanzier und Sponsor der Westman'schen
Untersuchung stolpern: Das Atkins Institut.
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