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Knabbern gegen Krebs und Kardio: Soja kann auch schmecken!
Feature Artikel von Lutz E. Kraushaar. 11/2002

Was gesund ist, schmeckt nicht, und je gesünder es ist, umso weniger schmeckt es.

Dieses Vorurteil der Frittengeneration scheint in der Sojabohne ihre Bestätigung zu finden. Doch Soja kann auch anders, nämlich schmecken, und zwar als Knabbersnack.

Geröstete und leicht gesalzene Sojabohnen haben dabei noch mehr Schlagkraft gegen das Altern, den Krebs und die Beschwerden der Wechseljahre als der labberige Tofu, den nun wirklich kaum einer mag.


Diese Erkenntnis präsentierte die Herzspezialistin Dr. Francine Welty auf der jährlichen Tagung der American Heart Association am 19. November 2002. Zwar bedarf es noch längerer und umfangreicherer Studien, um ihre Forschungsergebnisse zweifelsfrei zu bestätigen, aber dass Soja gesund ist, daran zweifelt heute niemand mehr. Grund genug, sich dieses Gemüse aus Fernost mal genauer anzuschauen.


In Asien seit rund 3.000 Jahren angebaut, war Soja bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa nahezu unbekannt. Noch 1920 wurden ausserhalb Asiens nur 0,5 Millionen Hektar mit Soja bepflanzt. Heute sind es mehr 30 Millionen Hektar. 75% der Weltproduktion kommen übrigens aus Nord- und Südamerika, der überwiegende Rest aus den klassischen Anbauländern Japan, China und Korea. Letztere produzieren jedoch fast ausschließlich für den eigenen Gebrauch.
Dass uns trotzdem der Soja nicht im Supermarkt überschwemmt, liegt daran, dass wir ihn überwiegend als Viehfutter verwenden. Trotzdem dient er als Rohstoff für so viele verschiedene Lebensmittelzutaten und -zusatzstoffe, dass Sojakomponenten in rund 30.000 Lebensmittelprodukten enthalten sind. Nur in Mitteleuropa ist dieser billigste der Proteinlieferanten bislang nicht zum Zug gekommen. Noch ein Grund sich mit dem Soja bekannt zu machen.


Der vordergründige Vorteil des Soja sind zweifellos seine Proteine. 30-50% des Soja besteht aus Eiweißen in einer für die menschliche Ernährung idealen Komposition. Dazu kommen noch 25% komplexe Kohlehydrate,15-20% ungesättigte Öle, Ballaststoffe und Vitamine aus der B-Gruppe. Alleine das würde schon reichen um den Soja auf das Siegertreppchen der Nahrhaftigkeit zu stellen.
Doch des Soja schwerste Geschütze kommen aus der zweiten Reihe, den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. Zu denen gehören die Isoflavone, die auch gelegentlich pflanzliches Östrogen genannt werden. Diese Stoffe wirken ähnlich wie das Östrogen, nur wesentlich schwächer als dieses weibliche Sexualhormon. Zwar enthalten auch Hülsenfrüchte Isoflavone, aber die sind nirgends so stark konzentriert wie in der Sojabohne. Die beiden wichtigsten Isoflavone heißen Daidzein und Genistein. Beide sind der Wissenschaft als Antioxidantien bekannt. Genistein wirkt als Schutzmittel gegen den Krebs. Und da beide Isoflavone östrogene Wirkung haben verringern sie die unangenehmen Begleiterscheinung der Menopause, wie z.B. Hitzewallungen. Diesen Effekt bestätigten die Frauen der Welty'schen Versuchsgruppe, bei denen darüberhinaus auch eine Verringerung des systolischen und des diastolischen Blutdruckes messbar war.


Aber auch Männer profitieren vom Soja. Östrogen-wirkende Isoflavone hebeln nämlich generell die hormonbedingten Krebserkrankungen aus den Fugen. Und zu denen gehört der Prostatakrebs. Aber auch gutartig vergrößerte Vorsteherdrüsen profitieren von einer enzymhemmenden Wirkung dieser Soja-isoflavone. Denn die schwächen die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron in der Prostata und anderen Geweben. Diese enzymhemmende Wirkung ist einer der neueren Ansätze zur Heilung gutartiger Prostatavergrößerungen.
Ist das alles? Nein. Soja enthält neben den Isoflavonen auch noch einen hohen Anteil an Saponinen. Das sind chemopräventive Geschütze gegen den Krebs. Und als wäre all das noch nicht genug, Soja verringert nachweislich den Anteil des sogenannten schlechten Cholesterins im Blut.


Bei soviel Gesundheit muß doch der Geschmack auf der Strecke bleiben. Wer nur den Tofu und die Sojamilch kennt, dem sei diese Ansicht verziehen. Aber geröstete und (leicht) gesalzene Sojabohnen schmecken selbst jenen, die sonst lieber am T-Bone nagen und Erdnüsschen zum Bier futtern. Das sollte den Soja auch bei uns gesellschaftsfähig machen.
Und dass die Konzentration der Wirkstoffe des Soja ausgerechnet in seiner Bohne am höchsten ist, macht ihn noch sympathischer.

 
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