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Verblüffendes vom Fisch
Feature Artikel von Lutz E. Kraushaar. 12/2002

Wenn Männer auch nur einmal pro Monat Fisch essen, reduzieren sie ihr Schlaganfallrisiko um mehr als 40%.

Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der Harvard School of Public Health.

Viele Studien der vergangenen 20 Jahre haben den Fisch als Wohltäter für unsere Gesundheit bestätigt. Nur weiß bis heute noch niemand so genau, warum das so ist.


Lange glaubte man an die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren als die eigentliche Ursache. Aber die Harvard Studie zeigt, dass Fisch mit höherem Gehalt dieser Fettsäuren nicht besser vor Infarkten schützt als Fisch mit weniger Omega-3-Fettsäuren. Als Daumenregel gilt: je dunkler und fetter das Fleisch eines Fisches um so mehr Omega-3-Fettsäuren enthält es.

Männer, die 2-3 mal pro Monat weißfleischige Garnelen aßen, reduzierten ihr Infarktrisiko ähnlich gut wie jene, die wesentlich öfter dunkelfleischige Makrelen oder Thunfisch verspeisten.
Ebenso erstaunlich ist eine weitere Erkenntnis der am 24 Dezember veröffentlichten Studie. Offenbar muss man wesentlich weniger Fisch essen als bislang angenommen, um in den Genuß eines deutlich verringerten Infarktrisikos zu kommen.
"Frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass man mindestens ein- bis zweimal pro Woche Fisch essen muss." sagt Dr. Ka He, Ernährungswissenschaftler und Leiter der Harvard Studie. "Diese Studien schienen auch einen linearen Zusammenhang zwischen der Menge Fisch in der Nahrung und dem Schutz vor Infarkt zu beweisen. In unserer Studie aber konnten wir diesen Zusammenhang nicht feststellen. Mehr Fisch ist nicht gleichbedeutend mit größerem Schutz."


Das ist erstaunlich, denn die Studie, auf die sich Dr. He bezieht, war erst im Januar 2002 im Journal der American Medical Association veröffentlicht worden. Diese ebenfalls in Harvard durchgeführte Studie hatte die Essgewohnheiten von 80.000 Krankenschwestern 14 Jahre lang beobachtet und ausgewertet. Frauen, die mindestens 5 mal pro Woche Fisch aßen, hatten ein um 52% reduziertes Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Frauen, die weniger als einmal pro Monat Fisch auf dem Teller hatten. Die 52% verringerten sich auf 22% für Frauen, die nur einmal pro Woche Fisch zu sich nahmen.


Dr. He ist selbst erstaunt über die sich widersprechenden Resultate. Seine Studie war ebenso umfangreich wie die erste Harvard Studie. Er wertete die Essgewohnheiten von 51.000 Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und anderen medizinisch Tätigen über 12 Jahre hinweg aus. Bereinigt um Faktoren wie Rauchen, Alter, Aspirinkonsum, Bewegungsmangel, erhöhtem Cholesterinspiegel und der Behandlung mit Blutdruck senkenden Mitteln ermittelte er, dass Männer die ein- bis dreimal pro Monat Fisch essen, ihr Schlaganfallrisiko um 43 % reduzieren. Bei Männern, die mindestens 5 mal pro Woche Fisch aßen war die Risikoreduzierung nur unwesentlich höher: 46 %.


Auch wenn wir nicht genau wissen, was es ist, eines ist klar: Es steckt etwas im Fisch, das uns gegen den Schlaganfall schützt. Ob es die ungesättigte Omega-3-Fetssäure ist, eine Kombination der ungesättigten Fettsäuren oder gar ganz was anderes, das wissen wir noch nicht.
Mindestens einmal pro Woche im Fischgeschäft anstatt der Metzgerei sein Geld auszugeben, macht offensichtlich Sinn.

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