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es den Cholesterinspiegel erhöhe, Osteoporose begünstige
und Herzkrankheiten und Magengeschwüre verursache. Was
können wir den Gelehrten nun wirklich glauben?
Die Antwort dazu kriegen Sie
gleich. Und nebenbei auch die Antwort zu der Frage, warum
wir mit diesem "rin in die Kartoffeln und raus aus die
Kartoffeln" leben müssen.
Was ist nun wirklich dran am Heilkaffee?
Die Forscher der Gifu Universität haben die Ess- und
Trinkgewohnheiten von 14.000 Männern und 16.000 Frauen;
alle älter als 35 Jahre, 10 Jahre lang beobachtet. Sie
wollten wissen, ob ein Verhältnis nachweisbar ist zwischen
Nahrungsaufnahme und Darmkrebsrisiko. Dazu teilten sie die
Männer und Frauen in drei Gruppen ein: Kaffeeabstinenzler,
solche die weniger als eine Tasse Kaffe und solche die eine
Tasse oder mehr pro Tag tranken.
Die Forscher bereinigten die
statistischen Daten um Körpergröße und Gewicht,
sowie um Alkohol- und Zigarettenkonsum. Das Ergebnis zeigte
ein um 50% reduziertes Darmkrebsrisiko für jene Frauen,
die eine oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken. Bei Männern
führte der Kaffeekonsum zu keiner nachweisbaren Risikoverringerung.
Was macht uns hier stutzig? Die Vorliebe des Kaffee für
Frauen. Nicht dass wir Männer neidisch wären. Schließlich
haben wir, zumindest die Meisten von uns, ja auch eine Vorliebe
für Frauen.
Erstaunen tut uns nur, dass es die Flavonoide, also die sekundären
Pflanzenstoffe, sein sollen, die den Kaffee zum Heilsbringer
machen.
Dass die sekundären Pflanzenstoffe
alles andere sind als zweite Wahl, spricht sich ja so langsam
herum (siehe dazu auch das Buch "Null Bock auf Diät").
Eine geschlechtsspezifische Vorliebe, aber konnten die Wissenschaftler
den Flavonoiden bislang aus keiner ihrer Untersuchungen zurechnen.
Ganz im Gegenteil. Flavonoide sind der Natur raffinierte und
effektivste Geschütze gegen alle möglichen Krankheiten,
bei Frauen wie Männern.
Woran mag es nun liegen dass ernst zu nehmende Wissenschaftler
zu einem solch überraschenden Ergebnis kommen? Liegt's
vielleicht am Sponsor? Die Frage ist nicht unberechtigt. Wissenschaftliche
Forschung muss bezahlt werden. Und oft sind es Firmen mit
handfesten kommerziellen Interessen, die hinter den verblüffendsten
Ergebnissen stehen. Wenn Mars M&M einen Professor (Ramon
Segura, Uni Barcelona) beauftragt Schokolade zu analysieren,
dann rechnet der ein bisschen in den Statistiken herum und
empfiehlt Ihnen eine tägliche Portion Schokolade, weil
das Ihrem Herzen gut tut. Lesen Sie unseren Artikel
dazu.
Und wenn ausgerechnet in den
Schweizer Labors der Firma Nestle Wisssenschaftler feststellen,
dass der Instantkaffee ihres Arbeitgebers 4 mal gesünder
ist als grüner Tee, dann wundert das auch keinen. Zumindest
keinen, dem noch ein bisschen eigenständiges Denken geblieben
ist.
Im Mekka der Teezeremonie könnte
man sich schon einen Kaffeeproduzenten vorstellen, der die
Hausfrauen gerne auf einen anderen Geschmack brächte.
Doch genug des Sarkasmus. Zwar wissen wir nicht, wer hinter
der Untersuchung als Geldgeber steckt, aber gehen wir einfach
mal davon aus, dass alles seine Richtigkeit hat und die Unabhängigkeit
der Forschung gewahrt blieb. Somit müssen wir uns woanders
nach den Ursachen solcher verblüffender Untersuchungsergebnisse
umsehen.
Die Erklärung könnte aus einer benachbarten wissenschaftlichen
Fakultät kommen - der Psychologie.
Die Psychologen kennen zwei relevante Phänomene: die
soziale Präsentation und die illusorische Kovariation.
Nun schalten Sie nicht gleich ab. Ich erklär' Ihnen das
auf Deutsch, damit Sie aus diesem Artikel ein bleibendes 'Aha'-Erlebnis
in Ihre Zukunft als kritischer Leser wissenschaftlicher Sensationsmeldungen
mitnehmen können.
Kovariation ist Akademikerkauderwelsch für gegenseitig
abhängige Veränderung von zwei oder mehreren Faktoren.
Nehmen wir ein Beispiel: Wer Alkohol trinkt, wird mehr oder
weniger blau und läuft vielleicht auch noch singend durch
die Strassen. Die Faktoren "blau" und "singen"
ändern sich in Abhängigkeit vom Faktor "Alkohol
trinken". Die drei stehen also in einem ursächlichen
Verhältnis. Und damit ist die Schlußfolgerung des
Streifenpolizisten korrekt, wenn der feststellt, dass Sie
mehr als das erwähnte Achtele getrunken haben müssen,
da die Pustetüte 2 Promille anzeigt. Nicht korrekt wäre
die Schlussfolgerung, dass vermehrtes Singen zu verstärktem
"blau sein" geführt habe. Diese Schlussfolgerung
wäre eine illusorische Kovariation.
Nun hat es der Streifenpolizist
wesentlich einfacher als die japanischen Kaffeeforscher. Die
müssen nämlich aus den vielen Faktoren, die die
gesundheitliche Entwicklung ihrer Probanden bestimmen, ein
paar herauspicken, mit denen sie dann ihre Statistikrechner
füttern. Gesundheitsrelevante Faktoren, wie Sport, beruflicher
oder familiärer Stress und was die Mädels in den
ersten 35 Jahren ihres Lebens gegessen oder getrunken haben,
fielen unter den Tisch. Damit wissen wir also nicht, ob die
gewählte Kovariation auch eine echte war oder eine illusorische.
Was wir von den Psychologen
wissen, ist, dass wir Menschen zu (illusorischen) Kovariationen
neigen. Ganz besonders im Angesicht bedrohlicher Situationen.
Das macht Sinn, denn sobald wir die erklären können,
haben wir sie unter Kontrolle. Doch je größer die
Bedrohung desto schneller schießen wir. Und je schneller
man schießt, umso eher schießt man daneben.
Die Bedrohung, die von Krebs,
Herzinfarkt und Schlaganfall ausgeht ist real und uns allen
bewußt. Dass die Wissenschaftler also schnelle und deshalb
vielleicht voreilige Schlüsse ziehen, liegt in ihrer
Natur. Und dass wir deren Schnellschüsse so bereitwillig
aufgreifen ist ebenso ein Aspekt des menschlichen psychischen
Strickmusters.
Der heißt soziale Repräsentation
und funktioniert so: wir tendieren dazu, das Unbekannte, Ungewohnte
und Komplizierte in unserer Umwelt, uns bekannt, gewohnt und
einfach verständlich zu machen. Der komplexe Zusammenhang
zwischen dem, was wir essen und den komplizierten biologischen
und medizinischen Mechanismen unseres Körpers schreit
geradezu nach einer jedermann verständlichen Erklärung,
einer sozialen Repräsentation. Und sobald uns einer sagt,
dass eine Tasse Kaffee am Tag uns die Sorge über den
Darmkrebs nimmt, greifen wir das bereitwillig auf und glauben
daran.
So wie wir früher eben daran geglaubt hatten, dass wir
den Kaffee meiden müssen, weil der unseren Cholesterinspiegel
erhöht, Osteoporose begünstigt und Magengeschwüre
verurusacht. All diese Aussagen sind in einer Vielzahl unterschiedlichster
Untersuchungen entkräftigt worden.
In den früheren Untersuchungen
steckten eben illusorische Kovariationen. Je mehr Faktoren
die Forscher in ihre Untersuchungen einbeziehen konnten, um
so mehr dieser illusorischen Kovariationen konnten sie entlarven.
Bis wir allerdings alle, und dazu gehören auch die individuellen
genetischen, Faktoren berücksichtigen können, sind
wir noch weit weg von der "Weisheit letztem Schluß".
Und deshalb sollten Sie immer auf ein paar Überraschungen
gefasst sein. Mit einer guten Tasse Kaffee, kriegen Sie das
aber bestimmt in den Griff. Zumindest solange bis der nächste
Schuss eben den Kaffee wieder trifft.
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