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wie stehen die Chancen für den lebensverlängernden
Fettvernichter aus den Labors der Biotechfirmen?
"Es gibt eine ganze Menge Firmen, die daran arbeiten
das Körpergewicht zu beeinflussen ohne den Appetit zu
regulieren. Wirksame Medikamente aus deren Forschung dürften
in den nächsten 5 bis 10 Jahren auf den Markt kommen."
meint Dr. Ronald C. Kahn, Forschungsleiter und Professor für
Medizin an der Harvard Medical School.
Ist das die Revolution aus der Retorte oder wieder nur ein
Rohrkrepierer? Die Frage ist berechtigt, schließlich
hatten die Mediziner schon in den Neunziger Jahren an das
Futtern ohne Reue, ohne Ranzen und ohne Risiko geglaubt. Damals
hieß die Wundermedizin Leptin. Das Hormon hatte mollige
Mäuse schlank gemacht. Doch bei dicken Menschen blieben
Leptingaben wirkungslos.
An einem ursächlichen Zusammenhang zwischen kalorienreduzierter
Ernährung und einem längeren Leben zweifelt kaum
noch ein Wissenschaftler. Doch warum ist ein frugales Leben
ein längeres? Auf ihrer Suche nach einer Antwort zu dieser
Frage hatten die Forscher die Insulinrezeptoren der Fettzellen
ihrer Versuchsmäuse ausgeschaltet. Welche Aufgabe diese
Rezeptoren haben, erzähle ich Ihnen gleich. Zunächst
schauen wir uns das Resultat an: die genetisch geänderten
Mäuse aßen das gleiche wie ihre 'normalen' Artgenossen.
Trotzdem wogen sie rund ein Viertel weniger, hatten bis zu
70% weniger Körperfett und lebten durchschnittlich 134
Tage länger, was etwa 18% eines Mäuselebens entspricht.
Das Erstaunliche daran: das längere Leben ist nicht einer
reduzierten Kalorienaufnahme zuzuschreiben, sondern einer
deutlich schlankeren Figur.
Damit ist den gaumengeißelnden
Miesepetern und ihrer asketischen Kalorienklauberei zwar der
Wind aus den Segeln genommen, doch der Lösung des Problems
Übergewicht sind wir keinen Schritt näher. Denn
was die Forscher in ihren Bostoner Labors beobachteten wirft
mehr neue Fragen auf als es alte löst. Damit Sie verstehen,
warum das so ist, erklär' ich Ihnen jetzt, was es mit
den Insulinrezeptoren auf sich hat.
Insulin ist ein Hormon, welches in der Bauchspeicheldrüse
produziert wird. Zwar gibt es verschiedene Faktoren, die die
Produktion des Hormons beeinflussen, doch keiner ist so bedeutend
wie die Konzentration des Blutzuckers in Ihren Adern. Blutzucker
ist das Endergebnis eines Verdauungsprozesses, der die Kohlehydrate
Ihrer Nahrung in seine kleinsten Bausteine, eben jenen Zucker
- die Glukose - spaltet. Aus der Glukose im Blut zieht das
Hirn all seine Energie, rund 6 Gramm pro Stunde. Fällt
die Konzentration des Blutzuckers unter einen bestimmten Wert,
ruft das Hirn um Hilfe, und Sie erleben diesen Hilferuf als
Hungergefühl.
Hunger ist also nichts anderes
als die Meldung Ihres Hirns, dass die Energiereserven dünne
werden. Sobald über die Nahrungsaufnahme wieder Zucker
ins Blut kommt verstummt das Hungersignal Ihres Hirns und
Sie fühlen sich gesättigt. Allerdings hat die Sache
einen kleinen Haken: zuviel Zucker im Blut ist schädlich
für eine ganze Reihe von Körperzellen. Warum das
so ist interessiert uns hier nicht. Wichtig ist, dass die
Bauchspeicheldrüse den Zuckergehalt im Blut in einem
recht engen Rahmen regeln muss, um einerseits den Energiebedarf
des Hirns zu befriedigen und andererseits ein Zuviel an Glukose
zu vermeiden. Und das macht sie mit Hilfe des Insulin, welches
sie als Botenstoff zu den Muskel- und Fettzellen schickt.
Dort dockt das Insulin an speziellen Rezeptoren der äußeren
Zellwände an, die sich dann in Tunnel verwandeln, durch
welche die Glukose in das Zellinnere geschleust wird. Muskelzellen
speichern die hereinkommende Glukose in der Form von Glykogen,
das dem Muskel als Treibstoff dient. Sobald die recht kleinen
Reservoirs der Muskelzellen voll sind, wird die restliche
Glukose in gleicher Weise in die Fettzellen geschleust. Die
allerdings können Energie nur in der Form von Fett speichern
und wandeln deshalb die hereinströmende Glukose schnurstracks
in Fett um.
Füllen Sie Ihre Fettzellen soweit auf, dass Sie einige
Kilo zuviel auf die Waage stellen, dann gehen Sie das Risiko
ein, dass Ihnen Ihr Doktor eines Tages erklärt, Sie haben
Diabetes. Was er damit meint ist, dass die Konzentration von
Insulin in Ihrem Blut zu hoch ist, was wiederum heißt,
dass zuviel Zucker durch Ihre Adern schwimmt. Was er Ihnen
wahrscheinlich nicht sagt, ist, dass die hohe Insulinkonzentration
nicht die Ursache, sondern die Auswirkung Ihrer Diabetes ist.
Schuld an Ihrer Nicht-Insulin-Abhängigen-Diabetes
ist eine verringerte Aktivität der Insulinrezeptoren.
Das dürfen Sie Ihrem Doktor aber nicht übelnehmen,
denn damit sind wir schon an der Grenze des heutigen Wissens
angekommen. Die Antwort auf die Frage nämlich, warum
Übergewicht die Aktivität der Insulinrezeptoren
drosselt, liegt bereits jenseits dieser Grenze. Und genau
das macht die Ergebnisse aus Boston so verblüffend.
Da wissen wir einerseits, dass
Übergewicht die Arbeit der Insulinrezeptoren einschränkt,
und damit die Insulin- und Zuckeraufnahme der Zellen bremst,
andererseits aber leben uns die Methusalemmäuse vor,
dass ein völliges Ausschalten der Insulinrezeptoren an
den Fettzellen ein schlankes, längeres und gesünderes
Leben programmiert, ohne Kalorienzählerei und Hemmungen
beim Essen.
Hinter dem Mechanismus der Glukoseaufnahme
steckt also offensichtlich mehr als nur eine Regulierung des
Blutzuckerhaushaltes. Schließlich speichern die Fettzellen
ja nicht nur Energie aus der Aufnahme und Umwandlung der Glukose,
sondern auch aus dem Fett unserer Nahrung. Die Speicherung
des Nahrungsfetts in den Fettzellen aber funktioniert insulinunabhägig.
Denn, wie wir eingangs festgestellt hatten, ist die Insulinproduktion
der Bauchspeicheldrüse abhängig vom Zuckergehalt,
nicht aber von der Konzentration der Fettsäuren im Blut.
Bei all der Verwirrung lohnt es sich zu fragen, was wissen
wir mit Sicherheit. Eigentlich nicht viel mehr als zuvor:
dass wir desto länger und gesünder leben, je weniger
Fett wir mit uns herumschleppen. Wie Sie überschüssiges
Fett dauerhaft loswerden, ohne Kalorienzählerei und mit
viel Spass am Essen, steht in "Null Bock auf Diät".
Aber Sie können natürlich auch noch 5-10 Jahre warten
und hoffen, dass die Forscher in Boston die Futtern-ohne-Reue
Pille entwickeln. Beeindruckend war die Umsetzung der Mäuseversuche
auf den Menschen bislang allerdings nicht.
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